Linksys-Marke bleibt vorerst erhalten. Patrick Ruppelt im Interview bei der CRN

crn»Die Linksys-Marke wird letztendlich verschwinden«, verkündete Cisco-Chef John Chambers bei einem Roundtable in der letzten Woche. Inzwischen sieht die Welt anders aus: Laut einer Stellungnahme sollen Consumer und SMB Produkte weiter unter der Marke Linksys laufen – zumindest »in naher Zukunft«. Gewiss ist aber, dass die Multimedia-Produkte aus dem Linksys- in das Cisco-Portfolio wandern werden.

Gäbe es nicht das Video von John Chambers Auftritt bei »You Tube«, könnte der Eindruck entstehen, sein Statement bei einem Roundtable in der letzten Woche hätte es gar nicht gegeben. »Die Linksys-Marke wird letztendlich verschwinden. Wir haben Linksys nur als Brand behalten, weil es in den USA im Consumer-Bereich bekannter gewesen ist«, so die deutlichen Worte des Cisco-Chefs. Inzwischen rudert der Netzwerkanbieter jedoch zurück.

Von Linksys selbst war zu hören, »dass in naher Zukunft deren Consumer- und SMB-Produkte weiterhin unter dem Markennamen Linksys im Markt vertrieben werden. Im Rahmen seiner laufenden Markenstrategie wird Cisco prüfen, ob – langfristig gesehen – Änderungen für Kunden und Vertriebspartner von Vorteil wären.«

»Ich erwarte Business as usual«, sagt Thomas Retzlaff, Regional-Manager DACH bei Linksys. Wie es der Division nach der »näheren Zukunft« ergehen wird, dazu waren keiner der beiden Seiten Details zu entlocken.

Eine ähnliche Marschroute wie Chambers gab im Juli jedoch auch der Vertriebsleiter SMB und Distribution von Cisco, Guido Sommer, vor. Cisco wolle Netzwerkprodukte vom Konsumenten bis hin zu großen Enterprises abdecken, sagte Sommer kürzlich gegenüber Computer Reseller News (siehe Artikel). Es komme gerade im SMB und Consumer-Bereich durchaus zu Überschneidungen der Portfolios, räumte der Vertriebschef schon zu diesem Zeitpunkt ein.

Waghalsige Strategie

Auch die Erweiterungen des neuen Partnerprogramms »Partner Connection« ab August stellt die Weichen mehr und mehr in Richtung Cisco. Ziel dieses Programms ist es, die beiden Vertriebskanäle zu einem weltweiten Cisco-Partnerprogramm zusammenzuführen und die Linksys-Reseller gerade im SMB-Bereich dahin zu bringen, die Produkte beider Anbieter in ihr Portfolio aufzunehmen. Ob dies jedoch gelingen wird, bleibt fraglich. Enver Bastanoglu, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ebb zeigt sich eher pessimistisch: »Eine Partnerschaft mit Cisco ist mit großen Investitionen verbunden. Ich glaube nicht, dass viele Linksys-Partner, trotz eventuellem Upgrade-Pfad, auf Cisco umschwenken werden«.

Viele der Partner halten es ohnehin für eine waghalsige Strategie, den Linksys-Brand im SMB und Consumer-Bereich aufzugeben. »Cisco würde sich damit keinen Gefallen tun«, so Bastanoglu. »Wer von Linksys auf Cisco umstellt, wird es bei den Kosten eines Projekts bemerken. Denn der Gesamtpreis eines Cisco-Projekts ist um eine Null teurer«. Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sei es auf Grund der Preise schwierig, Cisco zu verkaufen, meint auch Markus Krüger, Geschäftsführer von CDL IT Services.

Patrick Ruppelt, Einkaufs- und Vertriebsleitung bei Killus Computersystems zeigt sich ebenfalls skeptisch: »Die Einrichtung eines Cisco-Routers ist viel aufwändiger als die eines entsprechenden Linksys-Gerätes«. Er könne sich dann schon eher vorstellen, dass Cisco die Privatsparte vollständig aufgibt, da hier keine Margen mit Support-Verträgen gemacht werden könnten. Auch wenn die Marke Linksys noch Bestand haben sollte, so ist gewiss, dass eine Produktkategorie bald ausschließlich über Cisco-Portfolio bedient wird. Die Audio- und Video-Plattformen werden im Bereich Triple-Play aufgehen.

Redakteur: Michael Piontek
Quelle: CRN

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