Lenovos Kampf mit nicht funktionierenden Dockingstations

Lesedauer: 7 Minuten

Lenovo Geräte scheinen allgemein an Beliebtheit zu gewinnen. Freilich, man bekommt auf den ersten Blick viel Gerät für wenig Geld.

Wir haben uns jahrelang erfolgreich geweigert, diese Geräte zu verkaufen. Wir sind nicht überzeugt von deren Qualität, die Gründe sind so vielfältig, dass sie nicht in diesen Artikel passen. Auszugsweise:

  • Die Gehäuse sind zumeist ziemlich windig.
  • Der Plastikboden biegt sich aufs Mainboard durch, wenn man ein Notebook an einer Ecke anhebt.
  • Treiber und Firmware waren in der Vergangenheit sehr fehlerbehaftet.
  • Der Support wird ausschließlich durch Medion gewährleistet und der hat – mit Verlaub – wenig Ahnung von der Materie.

Die Fehlerliste ist lang

Es ist hinlänglich bekannt, dass Microsoft und Intel nicht gerade die Spezialisten sind wenn es darum geht zuverlässige Thunderbolt Technologien für Windows Computer zu entwickeln. Erst kürzlich veröffentlichten wir dazu einen Artikel.

Bei Lenovo kommt aber noch hinzu, dass der Hersteller seit Jahren an seiner Software für Thunderbolt und USB-C herumbastelt und offenbar nicht in der Lage ist, zuverlässig funktionierende Systeme zu liefern.

Nach ellenlangen Diskussionen mit dem Support und offensichtlich auf Druck des Marktes veröffentlicht Lenovo am 8.11.2019 endlich das lang ersehnte Update, das als „kritisch“ eingestuft wird und angeblich folgende Probleme beheben soll, die laut Lenovo auch durchaus erst nach sechs bis zwölf Monaten Betrieb erstmals auftreten können1)https://support.lenovo.com/de/en/solutions/ht508988:

  • USB-C Ports funktionieren nicht
  • Intel Thunderbolt controller wird nicht im Gerätemanager angezeigt
  • USB-C oder Thunderbolt Dockingstations werden nicht erkannt
  • Geräte an USB-C oder Thunderbolt Dockingstations werden nicht erkannt
  • Monitorausgang (HDMI) funktioniert nicht
  • Akku lädt nicht auf
  • unspezifische Intel Thunderbolt Fehlermeldungen
  • Fehlermeldungen zum sogenannten „Intel Thunderbolt safe mode“
  • Geräte hängen sich beim Systemstart auf („BIOS Thunderbolt communication error or hang during POST“)

Nach dem Update ist vor dem Update

Gebracht hat das Update in der Praxis aber nichts, außer Arbeitszeit und Kosten zu verursachen.

Alle hier genannten Fehler treten bei unseren Kunden nach dem Update weiterhin auf. Genau so, wie es auch schon bei den vielen Updates davor der Fall war. Wir haben resigniert. Wer zuverlässige Geräte braucht, der möge bitte auf zuverlässige Geräte setzen so wie wir ihn entsprechend beraten.

Insbesondere ist uns über unsere Berichterstattung auch von anderen Unternehmen bekannt geworden, dass auch dort nach der Umstellung auf neue Lenovo Notebooks genau diese Probleme auftreten. Es ist offensichtlich, dass Lenovo hier extreme Schwierigkeiten hat.

Der nächste Anlauf mit weiteren Updates

Seit gestern ist nun ein weiteres Update verfügbar.

Auch dieses wurde als „kritisch“ eingestuft, wobei Lenovo erstmals keine Angaben mehr dazu macht, was überhaupt korrigiert wurde2)https://support.lenovo.com/us/en/downloads/ds504661. Ob es zu peinlich war, schon wieder denselben Text auf die Webseite zu stellen und zu behaupten, nach zwei Jahren habe man es nun endlich geschafft?

Ob die Probleme jetzt behoben sind bleibt abzuwarten. Wir haben daran so unsere Zweifel, hat es doch die vergangenen Male auch nicht funktioniert.

Das Fachportal Golem schreibt hierzu:

Dieses soll kritische Fehler beheben: So haben etwa einige USB-Typ-C-Ports nicht mehr funktioniert. Außerdem war der Intel-Thunderbolt-Controller des Betriebssystems nicht mehr sichtbar. Sowohl die Ladefunktion als auch der Anschluss von Thunderbolt-3-Dockingstations waren teilweise betroffen. Außerdem funnktionierte wohl die Bildausgabe per HDMI in einigen Fällen nicht.

Betroffen ist eine große Anzahl an Thinkpad-Geräten:

„P43s (Type 20RH, 20RJ), P52 (Type 20M9, 20MA), P52s (Type 20LB, 20LC), P53s (Type 20N6, 20N7), P71 (type 20HK, 20HL), T470 (Type 20HD, 20HE), T470 (Type 20JM, 20JN), T470s (type 20HF, 20HG), T470s (type 20JS, 20JT), T480 (Type 20L5, 20L6), T480s (type 20L7, 20L8), T490 (Type 20N2, 20N3), T490 (Type 20RY, 20RX), T490 (Type 20Q9, 20QH), T490s (Type 20NX, 20NY), T570 (Type 20H9,20HA), T570 (Type 20JW, 20JX), T580 (Type 20L9, 20LA), T590 (Type 20N4, 20N5), X1 Carbon 5th Gen – (Type 20HR, 20HQ), X1 Carbon 6th Gen – (Type 20KH, 20KG), X1 Carbon 7th Gen – (Type 20QD, 20QE), X1 Carbon 7th Gen – (Type 20R1, 20R2), X1 Yoga 2nd Gen (Type 20JD, 20JE, 20JF, 20JG), X1 Yoga 3rd Gen (Type 20LD, 20LE, 20LF, 20LG), X1 Yoga 4th Gen (Type 20QF, 20QG), X1 Yoga 4th Gen (Type 20SA, 20SB), X1 Tablet 3rd Gen (Type 20KJ, 20KK), X280 (Type 20KF, 20KE), Yoga 370 (Type 20JJ, 20JH), X380 Yoga (Type 20NN, 20QN), X390 (Type 20Q0, 20Q1), X390 Yoga (Type 20LH, 20LJ), P51 (Type 20MM, 20MN), P51 (Type 20HH, 20HJ), P51s (Type 20HB, 20HC), P51s (Type 20JY, 20K0), P72 (Type 20MB, 20MC)“, schreibt der Hersteller.

Quelle: https://www.golem.de/news/lenovo-thinkpad-firmware-soll-gegen-defekte-usb-anschluesse-helfen-2001-146267.html3)https://www.golem.de/news/lenovo-thinkpad-firmware-soll-gegen-defekte-usb-anschluesse-helfen-2001-146267.html

Soll heißen: praktisch jedes Lenovo Gerät der vergangenen zwei Jahre ist betroffen.

You get what you pay for

Was bleibt einem anderen übrig, als dieses Drama irgendwann mit einer großen Portion Gelassenheit zu sehen und alle Lenovo-bezogenen Arbeiten bei Kunden abzurechnen. Full Service hin oder her.

Wenn wir Kunden empfehlen, etwas ausdrücklich nicht zu kaufen, dann hat das schon seine Gründe. Auch wenn es manchmal ein halbes Jahr dauern mag bis die Probleme dann tatsächlich zutage treten, wir sagen so etwas ja nicht ohne Grund.

Irgendwo muss der Preisunterschied herkommen. Schließlich kostet ein gängiges Lenovo Notebook keine 1.500,- € und ein dazu vergleichbares von uns empfohlenes Toshiba / Dynabook sicherlich nicht unter 2.500,- €. Das Modell, das unsere Mitarbeiter nutzen, liegt um 3.400,- €.

Alle von uns standardmäßig angebotenen Notebooks haben dann aber auch vier Jahre Garantie mit vor Ort Austausch durch den Hersteller, kompetenten Fachsupport und vor allem: es funktioniert zuverlässig.

So zuverlässig, dass Toshiba sogar das Geld zurück zahlt, falls ein Gerät im ersten Jahr kaputt geht. Als Entschuldigung, weil es dem Hersteller peinlich ist, dass etwas aus seinem Haus einen Defekt hat. Japaner eben, keine China-Ware. Das Geld zurück erhält man wohlgemerkt, nachdem man spätestens am nächsten Werktag zusätzlich auch noch ein funktionierendes Gerät bekommt. Also kostenfreie Reparatur vor Ort und zusätzlich Geld zurück als Entschuldigung.

Lenovo dagegen wäre wohl bankrott, wenn man Kunden dort auch so königlich behandeln würde…

Persönlicher Kommentar

Man sollte eine einfache Rechnung im Kopf durchspielen.

Wie viel kostet mich der Ausfall eines Gerätes, wenn der Mitarbeiter deshalb für die Anzahl x Tage nicht mehr arbeiten kann.

Bei einer Nutzungsdauer von in unserem Fall vier Jahren (Garantiedauer) bei täglicher Verwendung entspricht das gerade mal 2,33 € am Tag.

Zurück zur einleitenden Frage: Was kostet Sie der Ausfall des Mitarbeiters am Tag? Vom „Stress“ mal ganz abgesehen.

Wenn jemand auf IT angewiesen ist um seinen Job zu machen und dann keine zwei Euro am Tag für sein einziges Arbeitsgerät ausgeben kann… dann sollte er sich vielleicht einen anderen Job suchen.

Hier klicken, um den Beitrag zu bewerten:
  0 Bewertungen

Quellenverzeichnis   [ + ]

patrick.ruppelt